(030) 220 128 839

Ratgeber > Leistungen

Was ist Pflegegeld und wie erhalte ich einen Anspruch darauf?

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit dem Pflegegeld kann eine Pflegeperson organisiert werden, die die häusliche Pflege sicherstellt.
  • Anspruchsberechtigt sind alle pflegebedürftigen Menschen ab einem Pflegegrad 2.
  • Der verwendbare Betrag richtet sich nach dem jeweiligen Pflegegrad.
  • Während der stundenweisen Verhinderungspflege wird das Pflegegeld in voller Höhe weiterbezahlt.

Pflegegeld im Detail

Die Leistungen der Pflegeversicherung ermöglichen hilfe- und pflegebedürftigen Menschen eine gewisse Wahlfreiheit was die Versorgungsform betrifft. Sie können selbst entscheiden, welche Variante Ihnen am meisten zusagt und am ehesten Ihren Wünschen und Bedürfnissen entspricht.

Wer keinen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen möchte, kann die häusliche Pflege durch eine selbst organisierte Pflegeperson sicherstellen. Dies kann z. B. ein Familienangehöriger, ein Nachbar oder ein Ehrenamtlicher sein.

Das Pflegegeld (§ 37 SGB XI) kann von der hilfe- und pflegebedürftigen Person frei verwendet werden und in diesem Rahmen als Form der finanziellen Zuwendung an die Pflegeperson weitergegeben werden.

Leistungsinhalt

Um Pflegegeld erhalten zu können, muss gewährleistet sein, dass durch die selbst organisierte Pflegeperson der gesamte Hilfe- und Pflegebedarf der betroffenen Person abgedeckt ist.

Dies beinhaltet

  • die körperbezogenen Pflegemaßnahmen (z. B. die Körperpflege, die Ernährung, die Ausscheidung),
  • die pflegerischen Betreuungsmaßnahmen (z. B. Aktivierungsangebote für Menschen mit Demenz oder Unterstützungsangebote in Gefährdungssituationen)
  • sowie die Hilfen bei der Haushaltsführung (z. B. das Kochen, die Wohnungsreinigung aber auch die Nutzung von Dienstleistungen, finanzielle oder behördliche Angelegenheiten).

Anspruchsberechtigt sind

  • alle hilfe- und pflegebedürftigen Menschen im Sinne der Pflegeversicherung (§ 14 SGB XI),
  • die in der Häuslichkeit gepflegt werden
  • und mindestens einen Pflegegrad 2 haben (§ 15 SGB XI).

Der Umfang der Leistung richtet sich nach dem jeweiligen Schweregrad der Hilfe- und Pflegebedürftigkeit.

Leistungsumfang

Leistungsumfang Pflegegeld

Einschränkungen

  • Übersteigt der reale Pflegebedarf diese Beträge, müssen die darüber hinaus entstehenden Kosten selbst getragen werden.
  • Während bei der Pflegesachleistung die Sozialhilfe für diese Kosten aufkommen kann ist dies bei dem Pflegegeld jedoch nicht möglich.

Beratungsbesuche

Um eine fachlich angemessene Pflege in der Häuslichkeit zu gewährleisten, haben hilfe- und pflegebedürftige Menschen einen Anspruch auf Anleitung und Schulung.

Die regelmäßigen Beratungsbesuche müssen allerdings verpflichtend wahrgenommen werden, da ansonsten eine Kürzung des Pflegegelds droht. Im Wiederholungsfall kann sogar ein kompletter Entzug des Pflegegeldes erfolgen.

Die Beratungsbesuche werden durch ambulante Pflegedienste, anerkannte Beratungsstellen mit einem pflegefachlichen Hintergrund oder beauftragte
Pflegefachkräfte in der Häuslichkeit der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen durchgeführt. Die entstehenden Kosten werden von den Pflegekassen übernommen.

Hilfe- und pflegebedürftige Menschen mit einem Pflegegrad 1 haben einen freiwilligen Anspruch auf einen Beratungseinsatz.

  • Pflegegrad 1: 1 x Halbjahr (freiwillig) – 23 €
  • Pflegegrad 2: 1 x Halbjahr – 23 €
  • Pflegegrad 3: 1 x Halbjahr – 23 €
  • Pflegegrad 4: 2 x Halbjahr – 33 €
  • Pflegegrad 5: 2 x Halbjahr – 33 €

Verhältnis zur Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege

  • Grundsätzlich kann das Pflegegeld nur solange bezogen werden, wie auch die pflegerische Versorgung in der Häuslichkeit sichergestellt ist.
  • Während der tageweisen Verhinderungspflege und der Kurzzeitpflege wird das
    Pflegegeld jedoch für 6 Wochen (tageweise Verhinderungspflege) bzw. 8 Wochen (Kurzzeitpflege) zur Hälfte weiterbezahlt.
  • Bei der stundenweisen Verhinderungspflege wird das Pflegegeld allerdings nicht berührt und in voller Höhe ausbezahlt.

Quellenangaben

Das Elfte Buch Sozialgesetzbuch – Soziale Pflegeversicherung – (Artikel 1 des Gesetze vom 26. Mai 1994, BGBl. I S. 1014, 1015), das durch Artikel 10 des Gesetzes vom 23. Dezember 2016 (BGBl. I S. 3234) geändert worden ist.

Print Share Tweet