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Ratgeber > Zur Pflegereform

Kritische Würdigung der Pflegereform

Führt die Pflegereform wirklich zu mehr Gerechtigkeit in der Pflege?

Der Wille, das Verständnis von Pflegebedürftigkeit in der Pflegeversicherung auf eine zeitgemäße und wissenschaftlich fundierte Grundlage zu stellen, ist deutlich erkennbar und muss zunächst einmal positiv hervorgehoben werden.

Bereits die Abkehr von dem alten Verständnis von Pflegebedürftigkeit stellt einen Meilenstein in der Geschichte der Pflegeversicherung dar. Wenn sich der Gedanke durchsetzt, dass Pflegebedürftigkeit an dem Grad der Beeinträchtigung in der Selbstständigkeit bemessen wird und nicht daran, wie viel Zeit eine Person für das Erledigen einer Tätigkeit benötigt, wäre schon viel gewonnen.

Erst dann fällt der Blick nicht mehr primär auf das, was ein Mensch nicht mehr kann, sondern auf das, was er noch kann, wodurch den noch verbliebenen Fähigkeiten der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen mehr Wertschätzung entgegengebracht werden würde.

Für die Pflege zentrale Prinzipien, wie Ressourcen- und Personenorientierung sowie Gesundheitsförderung und Prävention, würden so einen völlig neuen Stellenwert erhalten.

Ein weiterer richtiger Schritt ist die Ausweitung der Bereiche, in denen ein Mensch pflegebedürftig sein kann. Pflegebedürftigkeit hat viele Gesichter und bezieht sich eben nicht nur auf die Grundpflege oder die Hauswirtschaft, sondern betrifft viele Lebensbereiche. Mit dem Modul „Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebezogenen Anforderungen“ wird zudem erstmals die in der Pflegeversicherung künstlich vorgenommene Trennung zwischen Grund- und Behandlungspflege überwunden, wobei die konkrete Ausgestaltung jedoch noch abzuwarten bleibt.

Ob das NBA in der Umsetzung dieses neuen Verständnisses nun den Stein der Weisen darstellt, kann jedoch durchaus in Frage gestellt werden. Als negative Aspekte müssen vor allem der hohe Zeitaufwand und die Überkomplexität genannt werden. So ist es sowohl für die Betroffenen als auch für die Pflegenden und Begutachter eine höhere zeitliche Belastung die Begutachtung durchzuführen, die zusätzlich mit einer noch schlechteren Nachvollziehbarkeit einhergeht. Darüber hinaus bestehen von Seiten der Wissenschaft Zweifel an der methodischen Güte, was erst einmal ein schlechtes Licht auf einen so langen Reformprozess wirft.

Der Fakt, dass das komplette Leistungsspektrum der Pflegeversicherung erst ab dem Pflegegrad 2 in Anspruch genommen werden kann, mutet auf den ersten Blick wie eine Mogelpackung an. Auf den zweiten Blick muss jedoch anerkannt werden, dass die begrenzten Leistungen, die nun ab dem Pflegegrad 1 zur Verfügung stehen, für diese Personengruppe vorher nicht zugänglich waren. Mehr als eine Verbesserung der Selbstwirksamkeit, eine Orientierung im „System Pflegeversicherung“ und ein geringes Kontingent an Betreuung im Monat kann dadurch jedoch nicht erreicht werden.

Ein weiterer positiver Punkt ist, dass kein Pflegebedürftiger schlechter gestellt werden soll, als es bisher der Fall ist. Die klaren Gewinner sind hier die Menschen mit erheblichen Einschränkungen in der Alltagskompetenz, da sie einen sogenannten „Doppelsprung“ in der Leistungshierarchie vollziehen, während die Menschen, die vorher ausschließlich eine Pflegestufe hatten nur „einfach springen“.

Die Verlierer der Reform könnten die Pflegebedürftigen in den stationären
Pflegeeinrichtungen sein, da die Zuzahlungen zukünftig für alle Pflegegrade gleich sein sollen und das Leistungsspektrum im ambulanten Sektor ungleich stärker ausgebaut wird. Wie sich dies bei Neubegutachtungen darstellt, muss sich in der Praxis jedoch erst noch zeigen.

Ein weiterer Verlierer könnte die professionelle Pflege sein, denn die Ausweitung der Leistungen der Pflegeversicherung bezieht sich vor allem auf die sogenannte informelle Pflege, also eine Pflege, die durch Laien und nicht durch professionelle Pflegefachpersonen durchgeführt wird. Weiterhin ändert die geplante Reform nichts an dem Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt und den dünnen Personalschlüsseln in den Pflegeeinrichtungen.

Ob die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und des NBAs also tatsächlich zu mehr Gerechtigkeit in der Pflege führt, kann daher nicht abschließend beantwortet werden. Es ist allerdings zu erwarten, dass die Reform viele positive Aspekte mit sich bringt, die sich auch durch die negativen Gesichtspunkte nicht aufheben lassen.

Insbesondere kann davon ausgegangen werden, dass das eigentliche Ziel des Reformpakets, nämlich die Stärkung der pflegebedürftigen Menschen und ihren
Angehörigen, erreicht werden kann, wenn auch nicht vollumfänglich und abschließend.

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