Im Barmer Pflegereport von 2018 wird deutlich, was viele pflegende Angehörige tagtäglich spüren: Sie haben zu wenig Entlastung. Der Grund dafür ist oftmals die Unkenntnis von vorhandenen Unterstützungsmöglichkeiten. Wir möchten Ihnen einige davon vorstellen.
Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, ist das für die nahe stehende Verwandtschaft erst einmal ein Schock und eine Herausforderung, den neuen Alltag zu gestalten. Entlastung für pflegende Angehörige spielt in so einer Situation eine entscheidende Rolle, um beide Seiten zu stärken: Der Pflegebedürftige möchte sich so wenig wie möglich als Last verstehen, der Angehörige benötigt Auszeiten von der neuen Aufgabe des Pflegens. Doch vielen pflegenden Angehörigen sind wirksame Entlastungsmöglichkeiten gar nicht bekannt. Wir sagen Ihnen, welche Unterstützung Sie kostenlos in Anspruch nehmen können.
Verhinderungspflege flexibel einsetzen
Laut Barmer Pflegereport nutzten 2018 nur etwa ein Viertel der pflegenden Angehörigen die Verhinderungspflege. Dabei ist das Budget unkompliziert bei der Pflegekasse zu beantragen und kann flexibel über das Jahr verteilt genutzt werden. So bietet es regelmäßige Auszeiten für Angehörige und trägt zur Entlastung auf allen Seiten bei. >> Antrag für Verhinderungspflege stellenMit dem Budget der Verhinderungspflege können sich Angehörige ein ganzes Jahr lang zum Beispiel den Service von Careship für zwei Stunden wöchentlich sichern und über die Pflegeversicherung abrechnen.
Ab Pflegegrad 2 können nachgewiesene Kosten einer Ersatzpflege übernommen werden, wenn die übliche private Pflegeperson vorübergehend verhindert ist. Für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege stehen zusammen bis zu 3.539 Euro je Kalenderjahr zur Verfügung. Bereits genutzte Beträge der einen Leistung verringern das verbleibende gemeinsame Budget. Eine sechsmonatige Vorpflegezeit ist seit Juli 2025 nicht mehr erforderlich. Nach aktueller Regelung müssen Erstattungsantrag und Kostennachweise bis zum Ende des auf den Einsatz folgenden Kalenderjahres bei der Pflegekasse eingereicht sein. Für ältere Einsätze lassen Sie die Frist individuell prüfen.
Kostenlose Pflegekurse für Angehörige
Pflegekassen bieten kostenlos Pflegekurse für Angehörige an, in denen die Familienmitglieder Basisinformationen erhalten und lernen, wie sie die Pflege möglichst körperlich schonend ausüben können. Außerdem vermitteln diese Kurse einen guten Überblick über alle Formen der Unterstützung, die Angehörige in Anspruch nehmen können. Und das Beste: Die Kurse können sowohl als Gruppenschulung als auch zu Hause stattfinden. Teilweise werden auch Online-Schulungen angeboten.Zu den Inhalten eines Pflegekurses gehört auch, die eventuell vorherrschende Krankheit des Pflegebedürftigen besser zu verstehen, etwa mit Spezialkursen für das Thema Parkinson oder Demenz.
Für Pflegekurse gibt es unterschiedliche Anbieter. Oft bietet die Pflegekasse selbst den Service an. Es gibt aber auch Pflegedienste oder Wohlfahrtsverbände und Privatunternehmen, die den Service anbieten. Am besten, als Angehörige fordert man bei der Pflegekasse direkt eine Liste der Anbieter an.
Mehr zum Pflegegrad
>> Pflegegrad 2: Definition, Voraussetzung und Leistungen>> Alles zum Pflegegrad 3



