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Das Messie-Syndrom: Wissenswertes für Betroffene & Angehörige

Oft wird das Wort „Messie” lapidar verwendet, um über unordentliche Menschen zu sprechen. Dabei assoziiert man damit meistens Personen, die eine Unzahl an Dingen besitzen, die sie nicht brauchen oder von denen sie gar nicht mehr wissen, dass sie sie überhaupt haben. Doch das Messie-Syndrom ist komplexer als es zunächst scheint. Es handelt sich dabei um eine psycho-emotionale Befindlichkeitsstörung, die nach Schätzungen von Selbsthilfegruppen rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland betrifft.

Als Messies werden oft Menschen mit einem zwanghaften Drang zum Horten bezeichnet. Dabei werden Betroffene häufig nicht wirklich ernst genommen. Der Situation wird oftmals nicht die nötige Aufmerksamkeit eingeräumt. In unserem Artikel wollen wir uns der Definition, der Symptomatik und den Ursachen des Messie-Syndroms widmen. Wir hoffen, dass Betroffene wie auch Angehörige so ein größeres Verständnis erhalten.

Definition

Der Begriff „Messie“ stammt vom englischen Wort „mess“ und wurde von der selbst betroffenen US-amerikanischen Pädagogin Sandra Felton geprägt. Der Begriff steht für „Chaos“, „Unordnung“ oder auch „Durcheinander“. Die korrekte englische Bezeichnung für die Erkrankung lautet „Compulsive Hoarding“. Dieser Begriff wird auch im fachlichen Diskurs benutzt. Messies sind demnach Menschen mit Problemen, ihre Umgebung, ihren Haushalt und ihren Alltag im weitesten Sinne, zu organisieren. Sie leben in einem Zustand von permanentem Chaos und schaffen es nicht, dort aus eigener Kraft herauszukommen. Je länger dieser Zustand andauert und je mehr gehortet und die eigene Umgebung zugestellt wird, desto tiefer gleiten Betroffene in einen Zustand von Hilflosigkeit, Stress und Depression.

Wer ist betroffen?

Das Messie-Syndrom kommt in allen sozialen Schichten vor. Nur eine Minderheit lebt – entgegen einem gängigen Vorurteil – zwischen Essensresten, Schmutz und Müll. Meistens sieht man Messies nicht an, welches Chaos bei ihnen zu Hause herrscht. Nach außen hin können sie gut funktionieren und im Beruf erfolgreich sein. Paradoxerweise haben sie einen Hang zum Perfektionismus, der sie allerdings regelrecht erdrückt, wenn es um die Ordnung in den eigenen vier Wänden geht. 

Ältere Menschen können besonders hart vom Messie-Syndrom betroffen sein. Speziell dann, wenn sie nicht mehr die physische und psychische Kraft haben, um Ordnung zu schaffen, keine Bezugspersonen in der Nähe sind und sie die Struktur eines durch das Arbeitsleben durchgetakteten Alltags verloren haben. Erkrankungen wie Depression, Demenz, Multiple Sklerose und andere können Katalysatoren für ein gesteigertes Messie-Syndrom sein. 

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Ab wann gilt ein Mensch als Messie?

Eine gewisse Unordnung ist normal. Viele Menschen sammeln Objekte aller Art, ohne dabei Messies zu sein. Ab wann also beginnt die Unordnung krankhaft zu werden? „Der Übergang ist fließend”, sagt AOK Diplom-Psychologin Birgit Lesch und führt ein Beispiel an: „Ein Liebhaber von Technik sammelt Motoren und Maschinen, bringt alle möglichen Geräte von seinen Weltreisen mit. Wenn die Sammelleidenschaft dahin führt, dass sich der Betroffene des Durcheinanders schämt und niemanden mehr zu sich nach Hause einlädt, dann ist die Grenze überschritten.”

Oft wird untersucht, ob das Messie-Syndrom mit anderen psychischen Erkrankungen erklärt werden kann. Eines scheint bei der Ausprägung des Syndroms eine zentrale Rolle zu spielen: Verlust- und Trennungsängste. Der Gedanke daran, Dinge wegzuwerfen, lässt bei Betroffenen Gefühle von Verlust und Trennung hochkommen. Zudem haben viele Betroffene ein sehr geringes Selbstwertgefühl. Durch das unkontrollierte Horten und Sammeln von Gegenständen geben sie sich der Illusion hin, sicher und wertvoll zu sein. Sie definieren ihren Selbstwert also durch äußere Objekte, an denen sie festhalten. 

Die Gegenstände und Objekte, die gehortet werden, sind dabei mannigfaltig. Dazu gehören Lebensmittel, Kleidungsstücke, Bücher, Zeitungen, Bastelsachen, Schuhe, Kisten mit Fotos, Möbel und vieles mehr. Um das Messie-Syndrom in seiner vollen Ausprägung und Tiefe zu verstehen, muss man realisieren, dass Messies nicht einfach nur zu faul zum Aufräumen sind. Sie brauchen das Gefühl von Kontrolle über das eigene Leben, ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Wenn dieses Gefühl nicht aus zwischenmenschlichen Kontakten gespeist werden kann, wird oft zu Objekten gegriffen, die die innere Leere füllen sollen. Deshalb ist es auch wenig bis gar nicht hilfreich, wenn außenstehende Personen, wie Angehörige, Freunde oder Alltagshelfer:innen die Wohnung aufräumen. Denn das löst bei den Betroffenen panische Ängste aus, die ihnen suggerieren, dass das eigene Leben weggeworfen wird.

Möglichkeiten raus aus dem inneren und äußeren Chaos

Eine Psychotherapie kann einerseits pragmatische Hilfe dabei geben, wie die Betroffenen das Chaos bewältigen können. Andererseits können „Messies” und „Horter” mit psychotherapeutischer Unterstützung tieferliegende Ursachen angehen. Möglicherweise kann auch ein:e Soziotherapeut:in oder eine psychiatrische Pflegekraft zu Hause Unterstützung bieten. Die Betroffenen lernen, besser zu entscheiden, was weg kann und was nicht. Ist erst einmal eine Kiste aussortiert, kann diese positive Erfahrung dazu ermuntern, weiterzumachen. Die Betroffenen können außerdem trainieren, ihre Aufmerksamkeit zu steigern, die fürs Ordnen und Sortieren notwendig ist. Wichtig ist es auch, sich selbstschädigende Gedanken – wie etwa: „Ich bin nichts wert.”, „Ich muss perfekt sein.”  bewusst zu machen. Auch verschüttete Gefühle und Konflikte können bearbeitet werden. Gibt es keine nahen Verwandten oder sind diese räumlich von den Betroffenen getrennt, können Selbsthilfegruppen ermöglichen, die Probleme mit anderen Betroffenen zu besprechen. Das Gefühl, in dieser Situation nicht alleine zu sein, macht bereits viel bei den Betroffenen aus und kann für eine größere Akzeptanz der eigenen Probleme sorgen. 

Angehörige von Betroffenen sollten sich dem Thema vorsichtig und einfühlsam nähern. Es ist keine Lösung, Dinge einfach wegzuschmeißen. Wichtig ist es, das Gespräch zu suchen und erst einmal herauszufinden, was die Gründe für das zwanghafte Anhäufen von Gegenständen ist. Betroffene tragen nicht selten Gefühle von Schuld und Scham mit sich, die es ihnen unmöglich machen, andere Menschen in das Chaos einzuladen und sie einzuweihen. Deshalb ist eine Atmosphäre, die frei von Schuldzuweisungen und Werturteilen ist, essentiell, wenn man Betroffenen Hilfe und Unterstützung um Umgang mit ihrem Messie-Syndrom anbietet. 

Weitere Informationen zum Messie-Syndrom, sowie Unterstützung und Selbsthilfegruppen finden Sie hier:

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