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Eine Alltagshilfe muss her: So überzeugen Sie Ihre Eltern davon

Es stapelt sich die Post im Flur, Haustiere und Pflanzen haben schon bessere Tage gesehen und die Wohnung ist eiskalt. Wenn die eigenen Eltern hilfebedürftig werden, ist das für alle Beteiligten eine große Herausforderung und ein emotionales Unterfangen noch dazu. Eine Alltagshilfe würde Ihre Familie entlasten und die angespannte Situation deutlich auflockern. Sogar die Kosten werden zu großen Teilen von der Pflegeversicherung getragen. Sie sind längst überzeugt, doch Ihren Eltern gefällt die Idee gar nicht? Wir haben Ihnen wertvolle Tipps zusammengetragen, die Ihnen in dieser Situation helfen werden. So verschaffen Sie sich bei Ihren Eltern Gehör und machen die Beschäftigung einer Alltagshilfe erfolgreich zum Thema.

Nehmen Sie Anschuldigungen nicht persönlich

“Ich habe schon immer alles ohne Hilfe gemeistert und höre jetzt ganz bestimmt nicht damit auf.”, “Ich bedeute dir wohl gar nichts mehr!” oder “Wenn mich jemand unterstützt, dann sind das gefälligst meine Kinder.” – Aussagen wie diese treffen tief ins Herz, bringen Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen mit sich. Mitunter aber ist es schlicht unmöglich, den eigenen Eltern oder Angehörigen regelmäßig zur Hand zu gehen, so zum Beispiel, wenn Sie weit entfernt voneinander leben oder es einfach an Zeit fehlt. Mit diesem Problem stehen Sie nicht alleine da. Hier heißt es nun Fingerspitzengefühl zeigen und Nerven bewahren.

Wenn Sie Ihren Eltern das erste Mal nahelegen, dass eine Alltagshilfe notwendig wird, reagieren diese möglicherweise mit Beschimpfungen und Anschuldigungen. Dahinter stecken verschiedenste Emotionen. Unter anderem sind es eigene Schuldgefühle und die Sorge, den Jüngeren künftig zur Last zu fallen. Ein Umkehren der Schuld erscheint dann oft als attraktives Instrument. Nehmen Sie Ihre Eltern ernst, die Beschuldigungen aber nicht allzu persönlich. Erklären Sie, inwiefern Ihr Vorschlag mit Ihrem Wunsch zusammenhängt, Ihre Eltern glücklich und gut umsorgt zu wissen.

Klären Sie die großen Fragen so früh wie möglich

Wir raten dazu, große Fragen rund um Wohn- und Betreuungswünsche so früh wie möglich anzusprechen. Das hat den Vorteil, dass Sie später nicht aus der Not heraus und Hals über Kopf nach Lösungen suchen müssen. Sensible Themen können stattdessen in Ruhe und möglichst ohne emotionsgeladene Streitgespräche angegangen werden. Sie können es sich gewiss vorstellen: Ist die Situation erst einmal akut und die Krise auf dem Tisch, wird es weitaus schwieriger, herauszufinden, welche Leistungen Ihre Eltern akzeptieren und was ihnen hierbei genau am Herzen liegt. Spätestens, wenn sich am Horizont eine baldige Hilfebedürftigkeit abzeichnet, ist die Zeit gekommen, liebevoll aber konsequent das Gespräch zu suchen.

Kennen Sie den finanziellen Spielraum Ihrer Eltern

Es ist möglich, dass der Abwehrhaltung Ihrer Eltern ein finanzieller Engpass zu Grunde liegt. Das Geld für unterstützende Services fehlt einfach oder ist für andere Zwecke bestimmt. Versuchen Sie daher zunächst vorsichtig in Erfahrung zu bringen, ob dies zutrifft. Ist das der Fall, können Sie auf Hilfen bei der Finanzierung hinweisen: Die Pflegeversicherung übernimmt im Jahr bis zu 3.319 Euro für unterstützende Leistungen, zum Beispiel erbracht von einer Alltagshilfe. Ganz konkret sind das bis zu 2.418 Euro für die sogenannte Verhinderungspflege und bis zu 901 Euro an Pflegegeld. Ist ihr Elternteil offiziell pflegebedürftig (Pflegegrad 2-5), können von diesem Geld also verschiedenste Services aus folgenden Bereichen gebucht werden:

  • Gesellschaft und Betreuung
  • Begleitung und Erledigungen
  • Haushaltshilfe
  • Grundpflege

Eine detaillierte Auflistung möglicher Leistungen aus den genannten Bereichen finden Sie hier. Wir raten Ihnen außerdem dazu, den Kontakt zum Pflegeversicherer Ihres jeweiligen Elternteils aufzunehmen und die Situation zu schildern. Dort erhalten Sie vertiefende Informationen hinsichtlich der Kombination von Versicherungsleistungen und erfahren, welche Bedingungen ganz genau erfüllt sein müssen, um einen Anspruch auf Förderung erheben zu können.

Careship-Tipp:

Wie Ihre Eltern ihr bestehendes Versicherungsbudget am besten nutzen und in Anspruch genommene Leistungen clever über die Versicherung abrechnen,  erfahren Sie in diesem Beitrag: “So einfach geht’s: Abrechnung über das Versicherungsbudget

Auch wenn kein offizieller Pflegegrad vorliegt, lässt sich die hauswirtschaftliche Versorgung finanziell fördern. Die anfallenden Kosten können gemäß § 35a Einkommensteuergesetz steuerlich abgesetzt werden, indem sie als Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen geltend gemacht werden.

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Machen Sie sich mit den Wünschen und Ängsten Ihrer Eltern vertraut

Neben finanziellen Sorgen können aber auch andere Ängste der strikten Abwehrhaltung gegenüber einer Alltagshilfe zugrunde liegen: Angst vor dem Älterwerden, Angst vor fremden Personen im Haus, Angst vor dem Verlust der Selbständigkeit. Versuchen Sie daher, in Gesprächen mit Ihren Eltern herauszufinden, wo genau der Schuh drückt. Versuchen Sie zudem, die Situation durch die Augen Ihrer Eltern zu betrachten. Einiges wird auf diese Weise klarer und nachvollziehbarer. Gleiches gilt für Wünsche und Anliegen. Haben Ihre Eltern möglicherweise das Gefühl, dass eine fremde Person den Haushalt nicht im Griff haben würde? Oder befürchten sie, dass man sie ihrer Freiheiten beraubt? Stecken Sie die Köpfe zusammen und gehen Sie die Probleme von Grund auf an.

Definieren Sie Probleme und ordnen Sie diese nach Dringlichkeit

Die Liste an möglichen Wünschen und Ängsten ist lang und niemand kann sich um alles gleichzeitig kümmern. Nur wer sich Klarheit verschafft, kann angemessen auf alle Sorgen eingehen. Nachdem Sie also in Gesprächen mit Ihren Eltern mehr über deren Wünsche und Ängste erfahren haben, bietet es sich an, die Kernprobleme und größten Anliegen festzuhalten. Ordnen Sie diese anschließend nach Dringlichkeit. Hierbei wird deutlich, ob sich die anstehenden Aufgaben familienintern erledigen lassen, oder ob die Situation ganz klar den Einsatz einer Alltagshilfe verlangt. Auch Ihren Eltern wird es helfen, die Tatsachen vor sich auf dem Tisch zu sehen.

Gehen Sie geschlossen als Familie auf die Eltern zu

Es ist wahrscheinlicher, dass Ihre Eltern auf bestehende Bitten und Bedenken eingehen, wenn Sie sich der Angelegenheit geschlossen als Familie annehmen. Gemeinsam lassen sich außerdem viel leichter Kompromiss-Lösungen organisieren. Bei aller Zusammenarbeit ist es allerdings auch wichtig, dass Sie Ihre Eltern nicht allzu penetrant “belagern”. Hier ist also Taktgefühl gefragt.

Geben Sie Ihren Eltern Zeit

Oft ist es ein einschneidendes Erlebnis, das den Angehörigen und auch den Betroffenen selbst vor Augen führt, dass es Zeit wird, sich im Alltag unterstützen zu lassen. Das kann zum Beispiel ein Sturz von der Leiter sein, ein Stromschlag, ein Brand, das Vergessen wichtiger Termine oder eine ärztliche Diagnose. Bevor Sie durcheinander auf Ihre Eltern oder Angehörigen einreden, ist es ratsam, die Situation etwas sacken zu lassen. Selbstverständlich geht das aber nur, wenn es die Lage erlaubt und keine akuten Gefahren bestehen.

Indem Sie Ihren Eltern Zeit geben, auf die neuen Situation zu reagieren, schaffen Sie Raum für Emotionen. Einschneidende Erlebnisse rufen in uns die verschiedensten Gefühle hervor: Wut, Trauer, Überraschung, Angst und Scham. Diese müssen erst einmal verarbeitet und eingeordnet werden. Erst dann ist es sinnvoll, Ihre Eltern mit Vorschlägen zu konfrontieren, die ihr Leben bedeutend verändern werden.

Careship-Tipp:

Haben Ihre Eltern bzw. Ihr Elternteil Demenz, sollten Sie davon absehen, sie mit neuen Informationen zu überschütten. Führen Sie die betroffene Person ganz vorsichtig an Ihre Vorschläge heran und betonen Sie all die schönen Dinge, die auf sie zukommen. Beispiel: “Es wird eine liebe Person im Alltag helfen, beim Spazierengehen Gesellschaft leisten und für mehr Sicherheit im Haus sorgen.” Verbringen Sie zu Beginn etwas Zeit mit Ihren Eltern und der Alltagshilfe, damit sich alle aufeinander einspielen können.

Nehmen auch Sie die Rollenverschiebung an

Verständlicherweise stößt es auf Unbehagen, wenn Kinder plötzlich Entscheidungen für ihre Eltern treffen sollen oder ihnen bestimmte Vorgehensweisen ans Herz legen. Schließlich war es ein Leben lang umgekehrt. Ihre Eltern können diese Rollenverschiebung leichter annehmen, wenn auch Sie aus Ihrer gewohnten Rolle heraustreten und fürsorgend sowie verantwortungsbewusst die bestehenden Probleme und Lösungen benennen. Dabei ist wichtig, dass Sie die neue Rolle nicht ausreizen. Versuchen Sie, stets respektvoll und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Auf diese Weise verringern Sie das Risiko, kräftezehrende Trotz-Aktionen heraufzubeschwören.

Lassen Sie Ihre Eltern mitreden und mitbestimmen, wann immer möglich

Auch wenn Ihre Eltern zunehmend mehr Hilfe benötigen, ist es besser, ihnen nicht jede Kleinigkeit abzunehmen. Bestärken Sie Ihre Eltern in ihren Fähigkeiten. Das wiederum stärkt deren Selbstvertrauen und Sinn für Selbstwirksamkeit. Beziehen Sie Ihre Eltern nach Möglichkeit auch in die Suche und Auswahl einer Alltagshilfe mit ein. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese später auch langfristig akzeptiert und vielleicht sogar dankend angenommen wird.

Bei Bedarf: Holen Sie Dritte mit ins Boot

Außenstehende können von großer Hilfe sein. So haben gute Freunde, Mitglieder der Kirchengemeinde oder Nachbarn Ihrer Eltern möglicherweise einen ganz anderen Zugang zu ihnen. Diese können Ihren Eltern vertraulich ins Gewissen reden und die ganze Sache noch einmal zusammen überdenken. Auch in Internetforen oder Hilfegruppen kommen Sie an gute Tipps von Personen in ähnlichen Situationen. Es kommt natürlich auch vor, dass Eltern niemanden wirklich an sich heran lassen, obwohl dringender Handlungsbedarf besteht. Handlungsbedarf besteht zum Beispiel, wenn für Ihre Eltern selbst oder für Dritte Verletzungsgefahr durch die Eltern ausgeht. Dann ist es ratsam, einen Psychologen zu Rate zu ziehen, um das weitere Vorgehen einfühlsam zu planen.

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