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Umgang mit Demenz und Entlastung pflegender Angehöriger

Senior Lächeln

Der Alltag mit Demenz bringt neue Herausforderungen mit sich. Die gute Nachricht ist, dass Demenz in der Regel langsam voranschreitet und damit viel Zeit bleibt, sich auf die veränderte Situation einzustellen und auch entsprechend zu planen. Demenz ist ein Syndrom, mit dem Betroffene sowie auch Angehörige oft noch lange und gut leben können, wenn alle offen für Veränderungen sind, die veränderten Bedürfnisse akzeptieren und den Alltag entsprechend gestalten. Im Folgenden haben wir hilfreiche Informationen, die das Leben mit Demenz sehr erleichtern, bereitgestellt.

Umgang mit Demenz im Alltag

Demenz hat große Auswirkungen in allen Lebensbereichen für Betroffene und deren Angehörige. Die Betreuung einer an Demenz erkrankten Person bringt viele Herausforderungen mit sich und kann sehr belastend sein. Daher ist es wichtig zu wissen, wie man mit einem Demenzkranken am besten umgehen soll.

Einbeziehung in alltägliche Aufgaben

Angehörige, die einen Demenzerkrankten betreuen, sollten darauf achten, dass Personen mit Demenz spüren, dass sie noch immer gebraucht werden. Dieses Gefühl kann vermittelt werden, indem der Betroffene in alltägliche Abläufe mit einbezogen wird. Die gemeinsame Alltagsgestaltung erleichtert allen den Alltag. Das können z. B. kleinere Aufgaben bei der Essenszubereitung sein, wobei dennoch auf mögliche Gefahren geachtet werden muss. Gefahren können scharfe Gegenstände, wie Messer und Scheren, aber auch Feuer oder andere Dinge sein. Menschen mit fortgeschrittener Demenz können mögliche Gefahren nicht mehr richtig einschätzen und sich verletzen. Sich auch für Kleinigkeiten bedanken und ehrliche Komplimente machen, vermittelt Wertschätzung und fördert das Selbstvertrauen des Demenzkranken.

Sensible Kommunikation

Man sollte stets versuchen sich in die Lage einer Person mit Demenz zu versetzen, vor allem wenn man miteinander lebt. Daran zu denken, wie man sich fühlen würden, wenn man manchmal weder weiß, wo man gerade ist und warum oder worüber die Leute um einen herum eigentlich sprechen. Was empfindet der Betroffene, wenn man sich manchmal nicht einmal mehr sicher ist, wer man selbst ist? Ein verständnisvoller Umgang und bedingungslose Akzeptanz sowie Respekt vermitteln dem an Demenz erkrankten Menschen Sicherheit. Angehörige sollten kurze und simple Fragen stellen, welche idealerweise mit ja und nein zu beantworten sind oder eine übersichtliche Auswahl an Antwortoptionen bieten. Beim Sprechen sollte darauf geachtet werden, dass Blickkontakt besteht und/oder Körperkontakt hergestellt wird. Es empfiehlt sich, Wichtiges zu wiederholen und auf Sarkasmus und Ironie möglichst zu verzichten.

Aggressionen verstehen und den Wind aus den Segeln nehmen

Personen mit Demenz neigen zu Verstimmungen, Reizbarkeit und Aggressionen. Grund dafür sind oft Frustration, Unsicherheit, Angst und Traurigkeit: Gemütslagen, die aufkommen, wenn sich jemand nicht verstanden oder verloren fühlt. Angespannten Situationen und aufflammenden Krisen begegnet man daher am besten, indem man die Person “abholt”, ihr möglichst mit Ruhe und Verständnis begegnet. Hier hat sich z. B. das Spiegeln von Emotionen bewährt. Dabei wird die Stimmung des Gegenübers aufgegriffen und offen formuliert (“Du bist wütend. Das ist ok. Du fühlst dich nicht verstanden, richtig?”). Anschuldigungen, die jemand mit Demenz gegen einen erhebt, sollten nicht zu persönlich genommen werden. Dahinter steht oft der Versuch jener Person, sich zu schützen oder das eigene Gesicht zu wahren. Angehörige sollen vermeiden, das Gegenüber zu korrigieren oder den eigenen Kopf bei Diskussionen durchzusetzen.

Biografiearbeit

Ein Alltag mit Demenz bietet trotz aller oder gerade aufgrund der außergewöhnlichen Situation viel Raum für besondere, schöne Momente. Hilfreich ist es hierfür, die Kindheit und Jugend der Person mit Demenz zu kennen, denn mit diesen Erinnerungen lässt sich oft noch lange arbeiten. Über das Abrufen schöner Erfahrungen aus dieser Zeit, kann ein leichterer Zugang zur Person stattfinden, v. a. in fortgeschrittenen Demenzstadien. Bei Demenz lässt sich noch sehr viel über die Gefühlsebene und Sinnes-Ebene erreichen. Das Wahrnehmen, Erleben und Fühlen von Dingen birgt großes Potential in sich und kann sehr dabei helfen, das Miteinander zu pflegen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, es kann mit Gerüchen, Geschmäckern, Klängen, vertrauten Melodien, Erinnerungskisten mit griffigen Gegenständen gearbeitet werden. Gemeinsame Erlebnisse werden mit Hilfe von Fotobüchern, Anekdoten etc. wieder aufleben.

Die Partnerschaft auf eine neue Ebene heben

Wenn man sich in einer Beziehung mit einer Person mit Demenz befinden, ist es vor allem das sich ändernde Rollengefüge, an das es sich anzupassen gilt. Es entstehen (neue) Abhängigkeitsverhältnisse. Gewohnte Strukturen und Routinen werden neu erfunden und gestaltet. Vor allem in späteren Stadien sehen sich Partner mit der Herausforderung konfrontiert, die gemeinsame Vergangenheit “am Leben” zu halten und eine Verbundenheit unabhängig von komplexen Erinnerungen zu empfinden. Als Angehöriger bzw. Partner kann man diesen Umstand nur akzeptieren und versuchen, möglichst eingebunden in bestehende Freundeskreise und Aktivitäten zu bleiben, um Isolation vorzubeugen und weiterhin gemeinsam mit Freude durch das Leben gehen.

Schnell merkt man, dass dies umso leichter fällt, desto offener mit dem Umfeld über die neue Situation gesprochen wird und Aktivitäten vorbereitet werden. So empfiehlt es sich bei einem Besuch im Restaurant z. B. den Kellner diskret auf die Situation aufmerksam zu machen. Viele fürchten den raschen Zerfall der partnerschaftlichen Beziehung, sobald eine Demenz-Diagnose gestellt worden ist. Dabei bietet sie die Möglichkeit, die Beziehung auf eine ganz neue Ebene zu heben und eine ganz neue Verbundenheit miteinander zu spüren, die den Herausforderungen auch langfristig trotzt.

Alltagsroutinen schaffen

Regelmäßigkeiten und Routinen sorgen im Alltag für Struktur und vermitteln dem Demenzkranken Sicherheit. Sie geben einer Person mit Demenz Halt und Orientierung, wenn feste Tage in der Woche und feste Zeiten am Tag bestimmten Dingen vorbehalten sind. So z.B. Essenszeiten, Spaziergänge, Zeit im Garten oder auswärts etc..

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Regelmäßig Essen und viel trinken

Regelmäßige Essenszeiten ermöglichen auch einen Überblick darüber, was konkret gegessen und getrunken wurde. Demenz hat oft den Nebeneffekt, dass sich der Geschmackssinn verändert und sich Appetitlosigkeit einstellt. Es wird weniger gegessen und die Person verliert an Gewicht. Regelmäßige und gemeinsame Mahlzeiten in Gesellschaft helfen nicht nur dabei, den Überblick zu behalten, sondern regen auch den Appetit an. Darüber hinaus helfen verteilte kleine Snacks im Haus, z. B. Schalen mit geschnittenem Obst, um regelmäßig und niederschwellig zum Essen einzuladen. Auch das Trinken sollte nicht vernachlässigt werden. Sollten Verwirrtheitszustände plötzlich zunehmen, kann Dehydrierung ein Grund dafür sein.

Realitätsorientierungstraining (ROT) bei Demenz

Das Realitätsorientierungstraining (ROT) ist ein Therapiekonzept, das verwirrten alten Menschen helfen soll, den Alltag aktiv und möglichst selbstständig gestalten zu können. In welcher Form das Realitätsorientierungstraining umgesetzt wird, hängt vom Schweregrad der Demenz ab und wird an die Fähigkeiten des Betroffenen angepasst. Im ROT geht es darum der Person eine zeitliche und örtliche Orientierungshilfe zu geben. Die örtliche Orientierung umfasst die Wohnung, Haus, Ort usw.. Die zeitliche Orientierung beinhaltet das Datum, Feiertage, Tageszeiten und auch die damit verbunden Mahlzeiten. ROT beinhaltet auch Orientierungshilfen in Zusammenhang mit den Personen, welche den Betroffenen umgeben. Dazu wird, wenn nötig, auch häufiger erwähnt, wer man ist oder wer zu Besuch kommt usw.. Eine große Rolle im ROT trägt die Umgestaltung des Wohnraumes. Hier steht der Kreativität nichts im Wege. Es kann nach belieben den Jahreszeiten entsprechend dekoriert sowie große und möglichst einfache Kalender gut sichtbar platziert werden. Türen und Schränke können mit Bilder oder Symbolen beschildert werden, um die örtliche Orientierung zu stärken. Eine große Uhr mit gut sichtbaren Zeigern steigern zudem die zeitliche Orientierung.

Licht und Dunkelheit bewusst nutzen

Bei Personen mit Demenz gerät der Tag- Nachtrhythmus mit der Zeit durcheinander. Um dennoch einen gewissen Takt zu wahren, kann der Einfluss von Licht und Dunkelheit nützlich sein. Auf dem Markt erhält man mittlerweile auch gute Licht-Systeme, die den Bio-Rhythmus tagsüber unterstützen. Die bewohnten Räumlichkeiten werden tagsüber mit Tageslicht durchflutet und im Winter kommen zusätzlich Tageslichtlampen zum Einsatz. Wenn es Richtung Bettruhe und Nacht geht, können zunächst die Lichter gedimmt werden (falls dies nicht automatisch geregelt ist) und später sollte der Schlafraum gut verdunkelt werden. Wenn der Eindruck besteht, dass die komplette Dunkelheit zu Beunruhigung führt, nutzen Sie diskrete und warme Nachtleuchten. Darüber hinaus bieten sich Bewegungsmelder-Leuchten an, damit nächtliche Gänge ins Badezimmer gut ausgeleuchtet sind und es nicht zu Stürzen kommt. Personen mit Demenz haben nachts die Tendenz, umher zu wandern, gerade weil der Rhythmus verändert ist. Sie finden leichter in den Schlaf, wenn sie tagsüber aktiv und viel in Bewegung waren.

Alltagshilfen

Aristoteles sagte: “Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.” – Dies gilt auch im Alltag mit Demenz. Die Auswirkungen dieses Syndroms lassen sich nicht verhindern, aber man kann lernen, damit umzugehen und Maßnahmen ergreifen, die das Leben mit Demenz erleichtern: Erinnerungszettel an strategisch schlauen Stellen platzieren, wichtige Türen kennzeichnen, Schubladen etc. mit Bildsymbolen, Schlüsselkopien anfertigen lassen, häufig gebrauchte Dinge an festen Plätze platzieren, alle wichtigen SOS-Nummern notieren und dem Angehörigen mit Demenz stets mitgeben (z. B. in der Hosentasche). Besprechen Sie gemeinsam mit dem Demenzerkrankten, ob es ok ist, die Ortungsfunktion auf dem Telefon zu installieren. Als Alternative gibt es dezente Ketten, Armbänder usw. mit GPS-Chip und/oder SOS-Knopf.

Arbeiten mit Demenz

Auch wenn eine Demenz-Diagnose zunächst den Impuls nahelegt, dass man sich als erkrankte Person aus allen Verpflichtungen zurückzieht, empfiehlt es sich so lange, wie möglich, in bestehenden Aufgaben und Netzwerken eingebunden zu bleiben. Das Gefühl gebraucht zu werden, wird der betroffenen Person ebenso gut tun, wie die geistige und soziale Aktivität. Natürlich ist es auch finanziell von Vorteil, der eigenen Arbeit noch etwas länger nachzugehen. Möglicherweise ist es nötig, die Art der Arbeit an die veränderten Fähigkeiten anzupassen. Vor allem innerhalb größerer Unternehmen ist es wahrscheinlich, dass es eine andere (geeignetere) Position für Personen mit Demenz gibt, als die bisher besetzte. Es empfiehlt sich der zeitnahe Kontakt zu den Integrations- und Gleichstellungsbeauftragten des Unternehmens sowie das Organisieren eines Behindertenausweises. Dieser sichert einen besseren Kündigungsschutz und ermöglicht mehr Urlaubstage.
Der Anspruch auf Krankengeld sollte ausgenutzt werden, bevor Arbeitslosengeld in Erwägung gezogen wird. Denn auf diese Weise zahlt man noch länger in die Rentenversicherung ein und die spätere Auszahlungsrate erhöht sich. Ein wichtiger Hinweis: mit hoher Sicherheit besteht Anspruch auf Erwerbsminderungsrente und der Antrag sollte zeitnah in die Wege geleitet werden.

Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige von Demenzkranken

Um die nötige Geduld und Muße für den Alltag mit Demenz überhaupt aufbringen zu können, muss man als Angehöriger oder Partner in erster Linie gut auf sich selbst achten. Pausen und auch mal längere Auszeiten sind dabei sehr wichtig und sollten auch im Alltag eingebaut werden. Lokale Hilfsangebote wie Selbsthilfe- oder Angehörigengruppen sind eine gute Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Pflegende Familienangehörige sollten nicht auf Freunde oder persönliche Interessen verzichten. Oftmals sind sie so mit der Betreuung ihres erkrankten Familienmitgliedes beschäftigt, dass sie soziale Kontakte und sich selbst vernachlässigen und in die Vereinsamung schlittern. Daher ist es ratsam ,ein Helfernetz aus Familie, Nachbarn und Freunden aufzubauen, damit pflegende Angehörige entlastet werden und Zeit für sich selbst finden.
Es besteht auch die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen eine Entlastung bis zu 14 Wochen durch die Pflegekasse finanziert zu bekommen. Zur Verfügung stehen dafür die Kurzzeitpflege und die Verhinderungspflege. Des Weiteren gibt es auch noch die Möglichkeit, den Entlastungsbetrag zu beantragen.

Personen mit Demenz bringen großes Potential mit sich, um dieses bestmöglichst auszuschöpfen, ist es wichtig, dass alle beteiligten Personen offen über die bestehende Situation reden und gemeinsam nach passenden Lösungen suchen.

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