Careship verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

Unser Weihnachtsgeschenk Ersten 2 Std. kostenlos
Code
xmas

Ratgeber > Gewusst wie

Betreuungsverfügung: Definition, Inhalt und Aufgaben eines Betreuers

Was passiert, wenn man selbst durch eine Erkrankung oder einen Unfall nicht mehr in der Lage ist Angelegenheiten zu regeln? Welche Inhalte eine Betreuungsverfügung behandeln soll und welche Aufgaben ein Betreuer zu erfüllen hat, erklären wir in diesem Artikel.

Was ist eine Betreuungsverfügung?

Wenn eine psychische Krankheit oder eine körperliche oder geistige Behinderung vorliegt und aufgrund dessen, Angelegenheiten nicht mehr selbstständig erledigt werden können, ist eine rechtliche Betreuung notwendig. In einer Betreuungsverfügung, auch Betreuungsvollmacht genannt, legt man fest, wer für einen im Betreuungsfall die Betreuung übernehmen soll und wer nicht.
Im Unterschied zu anderen Vollmachten, ist dieser Vorschlag nicht sofort bei Eintritt des Betreuungsfalles gültig. Zuerst muss von der betroffenen Person selbst oder von Dritten (z.B Angehörige, Nachbarn) ein Antrag auf Betreuung gestellt werden. Das Betreuungsgericht hat dann die Aufgabe über die Bestellung und den Umfang einer Betreuung zu entscheiden. Das Gericht ist verpflichtet zu prüfen, ob eine Person als Betreuer vorgeschlagen wurde und ob diese dafür geeignet ist. Wenn man keine Betreuungsverfügung hat, bestimmt das Gericht einen ehrenamtlichen oder hauptberuflichen Betreuer.

Inhalte einer Betreuungsverfügung

In der Betreuungsvollmacht können persönliche Wünsche des Betroffenen niedergeschrieben werden. Je nach persönlichen Vorstellungen können folgende Themen beschrieben werden:

  • Vorschlag eines Betreuers
  • Ausschluss von Personen (Wer darf auf keinen Fall als Betreuer eingesetzt werden?)
  • Wünsche hinsichtlich des persönlichen Umgangs (Möchte man in einem Pflegeheim wohnen?)
  • Aufgabenbereiche, welche übernommen werden sollen

Diese Wünsche bzw. Vorschläge müssen vom Betreuungsgericht und dem Betreuer wahrgenommen werden.

Aufgaben eines Betreuers

Ein Betreuer soll nur die Aufgaben übernehmen, welche der Betreute selbst nicht mehr erledigen kann. Dafür prüft das Betreuungsgericht, welche Angelegenheiten davon betroffen sind. Eine Betreuung darf nicht als Entmündigung oder Bevormundung gesehen werden, sondern sollte als Unterstützung der Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit des Betroffenen dienen. Eine Änderung der Aufgabenfelder kann jederzeit beim Gericht beantragt werden.
Zu den möglichen Aufgabenfeldern des Betreuers zählen:

  • Gesundheitssorge (z.B. medizinische Versorgung)
  • Vermögenssorge (z.B. Verwaltung von Vermögensgegenständen)
  • Aufenthaltsbestimmung (z.B. Wechsel des Wohnortes)
  • Wohnungsangelegenheiten (z.B. Kündigung einer Wohnung)
  • Fernmeldeverkehr und Post (z.B. Öffnen der Post)

Sie sind auf der Suche nach Unterstützung?

Jetzt Alltagshilfe finden!

Wer bezahlt den Betreuer?

Die betreuungsbedürftige Person bezahlt den Betreuer. Ist man selbst nicht in der Lage die Kosten zu übernehmen, werden sie vom Staat finanziert. Angehörige werden für die Finanzierung nicht herangezogen.
Ehrenamtliche Betreuer erhalten maximal 399 Euro jährlich als Aufwandsentschädigung. Die Kosten eines Berufsbetreuers werden nach zeitlichem Aufwand berechnet.

Werden Betreuer kontrolliert?

Ja, Betreuer werden vom Betreuungsgericht kontrolliert. Jeder Betreuer ist verpflichtet jährlich einen Bericht, wie zum Beispiel über alle getätigten Transaktionen (Vermögensverwaltung), abzugeben. Werden die Finanzgeschäfte von Familienangehörigen abgewickelt, verzichtet das Gericht auf eine penible Kontrolle. Allerdings muss jeder Betreuer am Ende der Betreuung alle Belege vorlegen. Außerdem kontrolliert das Gericht, ob der Betreuer nach den Wünschen des Betreuten handelt.

Wann endet die Betreuung?

Vorerst wird eine vorläufige Betreuung für ein halbes Jahr festgesetzt. Nach dieser Zeit prüft das Gericht, ob eine dauerhafte Betreuung nötig ist. Bei einer dauerhaften Betreuung prüft der Richter nach sieben Jahren, ob die Betreuung noch aufrecht erhalten werden soll.
Die Betreuung endet mit dem Tod des zu Betreuenden automatisch. Die letzte Aufgabe des Betreuers ist es, die Angehörigen und das Betreuungsgericht über das Ableben zu informieren und die Erstellung eines abschließenden Berichts über alle Einnahmen, Ausgaben und Geschäfte des Verstorbenen.
Im Falle einer vorübergehenden Betreuung, zum Beispiel bei einer ausgeheilten Erkrankung, endet die Betreuung früher, wenn sie nicht mehr benötigt wird.

Eine Betreuungsverfügung kann nicht ablaufen. Sie endet nur, wenn man selbst wieder in der Lage ist, seine Angelegenheiten zu regeln oder beim Gericht eine Aufhebung beantragt. Die Verfügung sollte regelmäßig auf Aktualität überprüft werden. Wichtig ist, dass jede Änderung mit Datum, Ort und Unterschrift gekennzeichnet wird.

Aufbewahrung der Betreuungsvollmacht

Die Betreuungsverfügung ist nur im Original gültig. Deshalb sollte sie an einem gut auffindbaren Ort, am besten mit anderen Vorsorgedokumenten, aufbewahrt werden oder sie wird direkt dem gewünschten Betreuer übergeben. Auch bei Banken, Amts- bzw. Betreuungsgerichten, Notaren oder Rechtsanwälten kann das Dokument hinterlegt werden.

Um ganz sicherzugehen, dass die Betreuungsverfügung vom Betreuungsgericht wahrgenommen wird, kann man sie auch beim zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren lassen. Dort werden die Kenndaten und, wenn man möchte, der Aufbewahrungsort gespeichert. Inhalte der Verfügung werden nicht aufgenommen.

Gültigkeit der Betreuungsverfügung: Notarielle Beglaubigung und Beurkundung

Wir empfehlen die Betreuungsverfügung beglaubigen zu lassen. Dadurch wird bestätigt, dass sie eigenhändig vom Verfasser unterzeichnet wurde. Lässt man die Beglaubigung bei der Betreuungsbehörde durchführen, kostet das ungefähr 10 Euro. Für eine notarielle Beglaubigung zahlt man zwischen 20 und 70 Euro.

Eine notarielle Beurkundung des Dokuments ist nicht zwingend erforderlich, da die Geschäftsfähigkeit für die Erstellung des Dokumentes nicht vorausgesetzt wird. Die Kosten einer Beurkundung sind individuell und richten sich nach dem Geschäftswert.

Betreuungsverfügung: Formular, Vorlage und Muster

Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz stellt eine Broschüre mit allen Informationen über das Betreuungsrecht sowie ein Formular zur Erstellung der Betreuungsverfügung zum kostenlosen Download bereit. Eine Betreuungsverfügung kann aber auch formlos aufgesetzt werden. Dabei ist es wichtig, nicht auf Datum, Ort und Unterschrift zu vergessen.

Unterschiede zwischen einer Betreuungsverfügung und einer Vorsorgevollmacht

Eine  Vorsorgevollmacht deckt alle Inhalte der Betreuungsverfügung ab. Umgekehrt ist das nicht so. Im Gegensatz zur Betreuungsverfügung, muss man bei Erstellung der Vollmacht geschäftsfähig sein. Des Weiteren werden Betreuer vom Gericht bestellt und regelmäßig kontrolliert. Ein Bevollmächtigter hingegen kann sofort nach Erstellung der Vollmacht selbstständig Rechtsgeschäfte abwickeln und ist nicht vom Gericht abhängig.

Der größte Unterschied liegt darin, dass eine Betreuungsverfügung lediglich ein Vorschlag eines Betreuers an das Betreuungsgericht ist. Mit einer Vorsorgevollmacht wird direkt festgelegt, wer der Bevollmächtigte ist.

Fällt es einem schwer, sich zwischen einer Betreuungsverfügung und einer Vorsorgevollmacht zu entscheiden, sollte man sich folgende Fragen stellen: Möchte man, dass eine bevollmächtigten Vertrauensperson alleine und unabhängig Entscheidungen treffen kann? Oder bevorzugt man eine gerichtliche Bestätigung und Kontrolle des Betreuers?

Print Share Tweet

Passende Artikel zum Thema