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Ratgeber > Wer pflegt wie

Pflege von Angehörigen - Die unterschätzte Belastung

Ende 2017 zählt das Statistische Bundesamt 3,4 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland. 76% davon werden zuhause versorgt. Bei 52% der Zuhause-Versorgten wird die Pflege allein durch Angehörige bestritten.

Von Janin  Minkus

Laut einer Umfrage des Senioren-Ratgebers (Partner der Apotheken Umschau) sind pflegende Angehörige 63 Stunden pro Woche im Einsatz. Fast jeder Dritte (29,9%) fühlt sich dabei in seiner Rolle gefangen.

Angehörige zuhause pflegen – Opfer oder Selbstverständlichkeit?

Die Gründe, Angehörige zu pflegen, sind vielschichtig und reichen vom Verantwortungsgefühl bis zur Suche nach Anerkennung oder dass man sich schlichtweg das Pflegeheim nicht leisten kann. Dennoch ist die Entscheidung, einen Angehörigen zu pflegen, nicht einseitig.

Auch der Pflegebedürftige sollte, wenn möglich, mitbestimmen, ob er mit der alleinigen Betreuung durch Familienangehörige einverstanden ist oder ob es Tabu-Tätigkeiten wie die Intimpflege gibt, bei der man externe Unterstützung, zum Beispiel durch einen medizinischen Pflegedienst, in Anspruch nehmen möchte. 

Pflege der Eltern: Der Druck der umgekehrten Rollenverteilung

Es muss nicht so sein, aber gerade die Pflege der Eltern birgt auch allerhand Konfliktpotenzial. Die Positionen verschieben sich, das Kind trifft jetzt die Entscheidungen für die Eltern oder ein Elternteil – dies führt zu zusätzlichem Druck. Durch den sehr engen Kontakt bei der Pflege können außerdem alte Konflikte wieder hochkochen – eine körperliche und emotionale Herausforderung. 

>> Rollenwechsel in der Pflege

Angehörige sollten sich daher bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit fragen, ob sie genug Unterstützung – auch für sich selbst – haben. Welche Freunde, welche Anlaufstellen, welche Institutionen gibt es, wenn der pflegende Angehörige Unterstützung braucht?

>> Anlaufstellen 

>> Plötzlich Angehörige pflegen

Entlastung für pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige versuchen einen Spagat zu meistern: dem Pflegebedürftigen und sich selbst gerecht zu werden. Nicht selten gelangt man hier an seine Grenzen. Laut Barmer Pflegereport 2018 “gibt es in Deutschland rund 2,5 Millionen pflegende Angehörige, darunter rund 1,65 Millionen Frauen. Nur ein Drittel aller Betroffenen geht arbeiten, jeder Vierte aber hat seine Arbeit aufgrund der Pflege reduziert oder ganz aufgeben müssen.” 40 Prozent der im Pflegereport Befragten geben an, unter Schlafmangel zu leiden, knapp ein Drittel fühlt sich in der Pflegerolle gefangen und über die Hälfte wünscht sich Unterstützung. Oft wird Unterstützung auch deshalb abgelehnt, weil man befürchtet, externe Unterstützung wäre nicht so qualitativ oder würde ein Gefühl des Abschiebens vermitteln. Hier lohnt ein zweiter Blick. Genau wie bei der Frage, ob die Pflege zuhause oder im Heim stattfinden soll: Es gibt viele Alternativen zwischen diesen beiden Möglichkeiten! 

Hinzu kommt, dass pflegende Angehörige die Unterstützungsangebote und Budgets der Pflegekasse richtig kennen und nutzen sollten. Das reicht von Tipps zur Gestaltung des Pflegealltags bis hin zu wichtigen Auszeiten vom Pflegen.

Hier sind zu nennen:

Familienpflegezeit – So funktioniert es

Bis zu maximal 24 Monate kann sich ein pflegender Angehöriger seine Wochenarbeitszeit auf bis zu 15 Stunden reduzieren, um einen nahen Angehörigen zu pflegen, der einen Pflegegrad 1 und höher hat und zuhause versorgt wird. Einen Rechtsanspruch auf die Familienpflegezeit haben Arbeitnehmer in Unternehmen ab 25 Mitarbeitern. Durch diese Regelung soll es Angehörigen möglich gemacht werden, zu pflegen, ohne ihren Arbeitsplatz aufzugeben.

Die Familienpflegezeit muss dem Arbeitgeber mit mindestens acht Wochen Vorlauf schriftlich angekündigt werden. 

Hinweis: Wird sie in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in Anspruch genommen, verkürzt sich die Ankündigungsfrist auf 10 Tage und muss spätestens zum 1.09.2020 starten. Wird sie im Anschluss an die Pflegezeit in Anspruch genommen, gilt auch hier die Ankündigungsfrist von 10 Arbeitstagen.  (Quelle: Barmer)

>> Informationen vom Bundesministerium für Gesundheit

Inwieweit finanzielle Lösungen wie Entgeltaufstockungsmöglichkeiten vorhanden sind (z.B. 75% Bruttolohn bei 50% Arbeitszeit während der Familienpflegezeit, nach Rückkehr weiter 75% Bruttolohn bei 100% Arbeitszeit), hängt von individuellen Absprachen mit dem Arbeitgeber ab.

Um finanzielle Verluste abzufedern, können pflegende Angehörige in Familienpflegezeit ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragen. Dieses orientiert sich am Lohnausfall und wird monatlich ausgezahlt.  

>> Hier geht es zu den Informationen des Bundesgesundheitsministeriums

Sich selbst nicht verlieren

Wenn man die Pflege eines Angehörigen übernimmt, sollte man sich vorher fragen, welche Aspekte des eigenen Lebens einem besonders wichtig sind, etwa, welches Hobby man auf keinen Fall aufgeben möchte oder wo die eigenen Grenzen liegen. Neben Beratung von Seiten wie Pflegestützpunkten, Ärzten oder Krankenkassen kann auch der Kontakt zu Selbsthilfegruppen oder zu Gleichgesinnten in Internetforen eine gute Möglichkeit sein, um offen über die eigene Situation zu sprechen. Hier treffen sich Gleichgesinnte und Frust über die Situation kann geteilt werden. Nach einer passenden Selbsthilfegruppe kann man zum Beispiel auf der Seite von NAKOS  (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen) suchen.

In diesem kleinen Selbsttest erfahren pflegende Angehörige, ob sie mehr auf sich achten müssen und ob ein erhöhtes Risiko für körperliche Beschwerden oder Depression durch den Pflegealltag vorliegt: >> Selbsttest

Die Selbstfürsorge als entscheidendes Kriterium 

In einem Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Köln, der Universität Duisburg-Essen und der Fachhochschule Bielefeld wurde deutlich, dass pflegende Angehörige dann krank werden und die Bewältigung der Pflege ins Wanken gerät, wenn dem Angehörigen die Zeit fehlt, sich über Unterstützungsangebote zu informieren und nicht für eigene Freiräume sorgt, also der Selbstfürsorge nicht genügend nachgeht.

>> Mehr zum Forschungsprojekt 

Dieser Überlastung muss dringend vorgebeugt werden, denn ohne den Einsatz pflegender Angehöriger würde die Pflege zusammenbrechen. Viele Krankenkassen bieten unterstützend Angebote, wo sich Angehörige über Praktiken zum Selbstschutz informieren können. 

Übrigens: 37 Milliarden Euro im Jahr wäre die Arbeit von Angehörigen wert, wenn man ihnen den Mindestlohn für ihre Pflegetätigkeit zahlen würde. (Quelle: Senioren Ratgeber)

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